andresrEuropas Zukunft beginnt mit Fairness
Strategie zur Generationengerechtigkeit verabschiedet.
FH – 03/2026
Im März hat die Europäische Kommission erstmals eine Strategie für Generationengerechtigkeit vorgestellt. Sie soll sicherstellen, dass politische Entscheidungen stärker mit Blick auf ihre langfristigen Auswirkungen getroffen werden und ein ausgewogenes Verhältnis von Vorteilen und Belastungen zwischen heutigen und künftigen Generationen gewahrt bleibt. Die Strategie zielt dabei auf die Bewältigung zentraler Herausforderungen wie den demografischen Wandel, die Digitalisierung und künstliche Intelligenz ab. Damit reiht sie sich in internationale Bemühungen um eine stärker zukunftsorientierte Politik ein, etwa den UN-Pakt für die Zukunft oder die Erklärung zu künftigen Generationen, die von der EU und ihren Mitgliedstaaten beim UN-Summit of the Future am 22. September 2024 gebilligt wurden.
Ein neuer Generationenvertrag
Die Strategie verdeutlicht, welche Folgen ausbleibendes Handeln hätte - die sogenannten „Kosten der Untätigkeit“. Allein im Bereich des Klimawandels könnte Untätigkeit die EU bis zum Ende des Jahrhunderts einen Rückgang ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 7 Prozent bis zu einem zweistelligen Prozentsatz kosten. Auch für die Widerstandsfähigkeit der Demokratie birgt Untätigkeit Risiken: Langfristig könnte das Vertrauen in die Institutionen – einschließlich der Sozialversicherungssysteme – sinken, wenn politische Maßnahmen als unzureichende Reaktion auf den Generationswechsel wahrgenommen werden. Die Kosten der Untätigkeit im Bereich der Generationengerechtigkeit sind daher nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern auch demokratischer, sozialer und ökologischer Art.
Um dem entgegenzuwirken, setzt die Strategie auf einen symbolischen „Generationenvertrag“, der als Reaktion auf die Empfehlung des Europäischen Bürgerpanels entwickelt wurde und auf drei Säulen basiert: 1) Faire Politikgestaltung, die langfristiges Denken und die Perspektive der Jugend einbezieht; 2) Faire Chancen, die Generationen um gemeinsame Ziele für eine bessere Zukunft vereinen, und 3) Faire Orte, die die Fairness zwischen den Generationen in allen Regionen fördern. Sie bietet einen gemeinsamen Rahmen für die Abstimmung von Weitsicht, Fairness und Verantwortung, in Hinblick auf alle Generationen, in allen Lebenslagen.
15-Punkte Plan, um Fairness zu garantieren
Die Strategie für Generationengerechtigkeit soll den Grundstein für mehr Fairness zwischen den Generationen legen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein 15 Aktionen Arbeitsprogramm entwickelt. Einige der herausgestellten Aktionen betreffen:
- Die Erstellung eines Index für Generationengerechtigkeit
- Die Organisation eines Demografie-Forums sowie
- Die Entwicklung eines mehrsprachigen Pakets für eine zukunftsorientierte Politikgestaltung.
Einige europäische Mitgliedsstaaten gehen bereits mit gutem Bespiel voran und haben in der Vergangenheit Initiativen etabliert, die zur Generationengerechtigkeit beitragen. Dazu gehören unter anderem die Niederlande, Belgien und Polen.
Soziale Investition
Während der Vorstellung der Strategie betonte die für soziale Rechte und Kompetenzen zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin Roxana Mînzatu, dass durch Investitionen in Menschen eine gerechtere und prosperierende Zukunft geschaffen werden könne. Ziel sei es, Menschen in allen Lebensphasen dazu zu befähigen, gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen erfolgreich zu meistern. In diesem Zusammenhang leisten Maßnahmen der Sozialversicherung – etwa medizinische und berufliche Rehabilitation, Prävention sowie Gesundheits- und Arbeitsschutz als soziale Investitionen – einen, wesentlichen Beitrag zur Generationengerechtigkeit.
Ausblick
Die Europäische Kommission betont, dass es sich bei der Strategie nicht um eine einzelne politische Maßnahme, sondern um einen langfristigen Ansatz zur politischen Gestaltung handelt. Dabei sollen die Perspektiven und Anliegen junger Menschen stärker berücksichtigt werden – denn die jungen Menschen von heute sind die älteren von morgen. Ein Fortschrittsbericht Anfang 2028 soll den Prozess weiter begleiten und zur Umsetzung der Ziele der Vereinten Nationen für künftige Generationen beitragen.