Getty Images - Oko_SwanOmurphyDigitale Finanzbildung
Finnland will Finanzkompetenz für die digitale Welt stärken.
VS – 09/2026
Wer
für das Alter vorsorgen will, muss zunehmend auch digitale Finanzangebote
verstehen und einschätzen können. Finanzkompetenz spielt deshalb auch in der
Altersvorsorge eine wachsende Rolle. Finnland will seine nationale Finanzbildungsstrategie
nun stärker auf die Herausforderungen digitaler Finanzdienstleistungen
ausrichten.
Dazu hat die
OECD am 16. September einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt. Nach der darin formulierten Vision soll Finnland bis 2030 bei der
digitalen Finanzbildung weltweit an der Spitze stehen. Die von der Europäischen
Union über das Technical Support Instrument (TSI) finanzierte Studie wurde von der
OECD gemeinsam mit der Europäischen Kommission erarbeitet. Sie soll als
Grundlage für den nächsten finnischen Aktionsplan für die Jahre 2027 bis 2030
dienen.
Der finnische
Ansatz ist auch mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der
Alterssicherung interessant. Sowohl auf EU-Ebene als auch in Deutschland wird
Finanzbildung zunehmend mit der Frage verknüpft, wie Menschen ihre
Altersvorsorge besser verstehen und planen können.
Die
EU-Kommission hat das Thema in ihrem Maßnahmenpaket zur Stärkung der zusätzlichen Altersvorsorge aufgegriffen. Unzureichende
Kenntnisse und mangelndes Bewusstsein für die eigene Altersvorsorge werden
darin als Hindernisse für eine bessere Altersvorsorgeplanung genannt. Auch die
deutsche Alterssicherungskommission hat in
ihren Empfehlungen die Entwicklung einer lebensbegleitenden Finanzbildungsstrategie befürwortet.
Digital gut aufgestellt – aber nicht ohne Risiken
Finnland bringt
dafür gute Voraussetzungen mit. Das Land gehört zu den am stärksten
digitalisierten Gesellschaften Europas. Bei der digitalen Finanzkompetenz erreichen
Erwachsene durchschnittlich 63 von 100 Punkten. Damit liegt Finnland über dem
OECD-Durchschnitt von 56 Punkten, allerdings hinter Hongkong (China) mit 69
Punkten, Irland mit 66 und Deutschland mit 65 Punkten.
Die OECD-Erhebung
zeigt jedoch auch Lücken und deutliche Unterschiede zwischen den
Bevölkerungsgruppen auf. Besonders niedrig ist die digitale Finanzkompetenz bei
jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren. Sie erreichen im Durchschnitt
lediglich 54 Punkte, den niedrigsten Wert aller Altersgruppen. Zudem zeigt die
Untersuchung einen Zusammenhang zwischen geringer digitaler Finanzkompetenz und
problematischem Kredit- beziehungsweise riskantem Anlageverhalten.
Etwa
ein Drittel der Befragten gab an, kurzfristige Online-Kredite wie „Buy Now Pay
Later“-Angebote, Händlerkredite oder Schnellkredite zu nutzen. Diese Gruppe verfügt
tendenziell über eine geringere digitale Finanzkompetenz und berichtet häufiger
von impulsiven Entscheidungen.
Auch
bei Krypto-Vermögenswerten zeigt die Untersuchung Wissenslücken auf. In
Finnland liegt der Anteil der Besitzerinnen und Besitzer deutlich höher als in
anderen OECD-Ländern. Einige Nutzerinnen und Nutzer verbinden den Erwerb von
Krypto-Assets jedoch mit Motiven, die eher dem Glücksspiel ähneln. Dies kann
sich auf Anlageentscheidungen auswirken.
Finanzbildung soll mit der Digitalisierung Schritt halten
Der
OECD-Vorschlag für die finnische Strategie setzt deshalb nicht nur auf Wissen
über Sparen und langfristige Geldanlagen. Menschen sollen auch lernen, digitale
Finanzdienstleistungen sicher zu nutzen, finanzielle Risiken besser
einzuschätzen und sich vor Online-Betrug zu schützen. Besondere Aufmerksamkeit
soll unter anderem jungen Erwachsenen, älteren Menschen, Personen mit
geringerem Bildungsniveau oder Einkommen sowie Migrantinnen und Migranten,
Selbstständigen und Arbeitslosen gelten.
Ob
die Maßnahmen erfolgreich sind, soll regelmäßig überprüft werden. Die OECD
empfiehlt dazu ein kontinuierliches Monitoring der Ziele, Maßnahmen und
Governance-Strukturen sowie eine abschließende Evaluation der Strategie.
Finanzkompetenz auch für die Altersvorsorge relevant
Der
finnische Ansatz fügt sich in eine breitere europäische Entwicklung ein. Finanzbildung
soll Menschen nicht nur im Umgang mit alltäglichen Finanzprodukten helfen,
sondern auch bei langfristigen Entscheidungen wie zum Beispiel bei der
Altersvorsorge. Im Rahmen der Spar-
und Investitionsunion hat die Europäische Kommission im September 2025 eine EU-Strategie zur Förderung der Finanzkompetenz verabschiedet. Sie soll Menschen in
unterschiedlichen Lebensphasen dabei unterstützen, fundierte finanzielle
Entscheidungen zu treffen.
Auch
bei der zusätzlichen Altersvorsorge sieht die Kommission Handlungsbedarf. In
ihrem Maßnahmenpaket vom November 2025 nennt die Kommission unzureichende Kenntnisse und ein mangelndes
Bewusstsein für die eigene Altersvorsorge als Hindernisse für eine bessere Vorsorgeplanung.
Auch
in Deutschland gewinnt das Thema an Bedeutung. Die Alterssicherungskommission
hat in ihren Empfehlungen eine lebensbegleitende Finanzbildungsstrategie
befürwortet. Zudem hat die Bundesregierung am 15. September einen Referentenentwurf für eine nationale Finanzbildungsstrategie veröffentlicht. Altersvorsorge und
Kapitalmarktbeteiligung sowie der sichere Umgang mit digitalen
Finanzdienstleistungen gehören darin zu den sieben Handlungsfeldern.